Meine 5-jährige Tochter ist gestorben. Nach ihrer Beerdigung fand ich einen USB-Stick und eine Notiz einer Krankenschwester mit folgendem Inhalt: „Ihr Mann lügt Sie an. Sehen Sie sich das Video an.“
Grace war anfangs gesund. Am Dienstag wachte sie mit Fieber auf. Am Donnerstagabend lag sie mit Kabeln über der Brust und einem roten Allergiearmband am Handgelenk im Krankenhausbett.
„Penicillin“, wiederholte ich immer wieder. „Im Ernst. Bitte schreiben Sie es auf.“
Alle nickten, als ob sie es verstanden hätten.
Daniel stand mit den Händen in den Hosentaschen am Fußende des Bettes und trug jenen steifen, höflichen Gesichtsausdruck, den er Fremden gegenüber stets an den Tag legte. Er küsste Grace auf die Stirn und sagte, sie sei tapfer.
Dann vibrierte sein Handy und er ging in den Flur.
Als ich fragte, wer es sei, sagte er: „Arbeit. Es ist nichts.“
Am Freitagnachmittag wurde sie auf die Intensivstation verlegt.
Eine Krankenschwester namens Hannah stellte sich mit müden Augen und schnellen, geübten Bewegungen vor. Sie sah sich Graces Akte an, umkreiste den Allergiehinweis mit dicker Tinte und sagte: „Sie haben richtig gehandelt, indem Sie sie hierher gebracht haben.“
Die Alarme gingen am Samstagmorgen los.
Eine Krankenschwester namens Kara versperrte mit ihrem Arm die Tür zur Intensivstation. „Madam, Sie müssen draußen bleiben.“
„Meine Tochter ist da drin“, sagte ich. „Sie ist fünf.“
„Ich weiß“, antwortete Kara. „Wir brauchen Abstand.“